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Am nächsten Morgen ging es dann darum zwanzig knurrende Mägen zu stopfen und Carepakete für die Kanufahrt zu schnüren. Wir setzten uns in Bewegung in Richtung Bahnhof Runkel, von dort fuhren wir zu unserem Startort. In Weilburg verließen wir die Bahn und suchten die Stelle an der die Kanus auf uns warteten. Diese Aufgabe gestaltete sich weit schwieriger als wir dachten. Doch nachdem wir, mit einer Verspätung von einer Stunde, an unserem Treffpunkt ankamen, konnte es endlich losgehen. Wir ließen die Kanus zu Wasser und sofort zeigte sich, dass sich einige Naturtalente unter uns versteckten. Ihr Boot glitt von Anfang an schnell, leise und vor allem gerade die Lahn entlang. Andere Boote legten in der ersten halben Stunde sicherlich den doppelten Weg zurück. Sie fuhren rechts, links, rückwärts, seitwärts auch das Schilf war ihnen nicht fremd. Doch bis zum Schifftunnel hatten wir alle den Dreh raus. In der ersten Schleuse überzeugten wir mit Rhythmus im Blut. Wir trommelten mit allem was uns zur Verfügung stand und machten so den großem Trommlern dieser wir Konkurrenz. Es wurde zum Ritual dieses Trommeln in jeder Schleuse zu wiederholen und nach der dritten kannten uns alle anderen Kanuten die auf der Lahn unterwegs waren.
Es gab nur ein Problem, unser Weg hörte nicht auf. Wir zählten Kilometer für Kilometer. Die Arme wurden schwächer, der Rücken tat weh, aber Runkel war noch nicht in Sicht. Zwei Kanus hatten sich abgesetzt und waren weit voraus. Für alle anderen hieß es: nicht denken, paddeln. In diesem Moment wurde uns Hilfe geschickt, die „Lahnhexe“. Das ist ein elektrisch betriebenes Floß, auf dem man sich die Lahn entlang schippern lassen kann. Wir trafen das Floß mitsamt den Mitfahrenden in unserer vorletzten Schleuse. Sofort war uns klar, wir müssen an das Floß. Gesagt getan. Das erste Kanu hatte sich fest geknotet und auch das zweite Kanu schaffte es, nachdem sie fast gekentert waren, sich an das Floß zu hängen. So zog uns die Lahnhexe den Fluss entlang, während wir mit einem gekühlten und von der Lahnhexe gesponsertem Bier in der Hand uns zurück lehnten und die Füßen in die Lahn hängten.
Als wir an diesem Tag alle wieder an unseren Campingplatz kamen waren wir total kaputt. Uns tat alles weh und wir wollten gar nicht an morgen denken, an einen weiteren Tag Kanu fahren. Aber es dauerte gar nicht lange und schon war der neue Tag da und es hieß aufräumen, zusammen packen, Zelte abbauen alles in die Autos verstauen und dann wieder rein in die Kanus.
Für manche war der Muskelkater unerträglich, andere hatten mit dem Sonnenbrand, vor allem auf den Oberschenke zukämpfen. Die ersten Kilometer gingen schnell vorbei. Jedes Kanu feuerte sich selbst mit Liedern oder Sprechgesängen an und so waren wir bei allen Sonntagsspaziergängen bekannt. Auch machten wir die Erfahrung das lautes singen in der Nähe von Anglern nicht allzu gerne gehört wird. Das frenetisches Feiern, als das erste Kanu Kilometer 74 erreichten wurde von zwei Anglern noch geduldet, als dann aber weitere Kanus folgten und ihrer Freude mit dem gleichen Lied zum Ausdruck brachten, machten sie ihren Unmut laut stark breit. Unsere älteste Pappnase wies sie darauf hin dass allzu lautes Schreien die Fische verjagen würde. Durch diesen Spaß vergaßen wir für kurze Zeit die Strecke die noch vor uns lag und die Erkenntnis, dass die Lahn ein Fluss ist, aber dass Flüsse auch stehendes Gewässer sein können. Und so waren die letzten Kilometer bis Diez eine Qual.
Doch trotz diesen Anstrengungen ist jede Pappnase froh dabei gewesen zu sein und hofft auf eine Wiederholung im nächsten Jahr, dann vielleicht mit einer kürzeren Strecke, aber mit genau soviel Spaß, denn: „Alle die mit uns auf Kanufahrt fahren müssen Narren aus Elschbach sein,…“
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